Sternli Galerie

Seraina




Wende Dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter Dich! (Afrikanisches Sprichwort)

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Sternchen Seraina, geboren am 30.07.2013, von uns gegangen am 11.01.2014.



UNSERE GESCHICHTE

Seraina ist unser erstes Kind und ist nach einer problemlosen Schwangerschaft mittels Not-Kaiserschnitt im Kantonsspital Nidwalden auf die Welt gekommen. Der Kaiserschnitt war notwendig, da die Herztöne von Seraina mit zunehmenden Wehen Auffälligkeiten zeigten.
Schon kurz nach der Geburt bemerkten wir seltsame Zuckungen der Gliedmassen von Seraina. Nach einer Reihe von Untersuchungen, wurde entschieden Seraina ins Kinderspital Luzern zu überführen. Dort wurde nach weiteren Untersuchungen ein äusserst seltenes Hirnstromdiagramm (EEG) aufgezeichnet. Diese spezielle Art von EEG ist typisch für eine schwere Epilepsie-Art namens Othahara-Syndrom.
Obwohl die mit dem Othahara-Syndrom verbundenen Prognosen für Seraina sehr schlecht (= eine sehr kurze Lebenserwartung) waren, haben wir immer gehofft, dass es ihr mit der Zeit besser gehen wird. Und so durften wir Seraina am 25.08.2013 mit Magensonde und Überwachungsmonitor nach Hause nehmen, was uns sehr glücklich machte.
Wir verbrachten wunderschöne Wochen und Monate mit Seraina, in denen wir so viel als möglich mit ihr unternahmen. Wir machten Ausflüge, zeigten ihr die Natur, die Berge und den Schnee.
Daneben gab es aber leider immer wieder den einen oder anderen Rückschlag, z.B. wenn es sich zeigte dass die Medikamente gegen die Epilepsie nicht wie gewünscht wirkten oder die Nachkontrollen beim Arzt keine Verbesserung des Grundzustandes von Seraina zeigten.
Am 06.01.2014, nachts, nach dem Sondieren, erbrach Seraina Muttermilch und hörte dann plötzlich auf zu Atmen. Meine Frau und ich schafften es Seraina zu reanimieren und solange stabil zu halten bis der Notarzt bei uns eintraf. Dem Überwachungsmonitor und dem Beatmungsbeutel sei Dank. Seraina wurde dann mit der Ambulanz ins Kinderspital nach Luzern gebracht und musste dort intubiert werden, da sie immer noch nicht selbständig atmete.
In den folgenden Tagen stabilisierte sich der Zustand von Seraina ein wenig, jedoch atmete sie weiterhin nicht unabhängig. Jetzt war er da, der Moment, der uns wahnsinnige Angst machte, denn wir mussten uns mit dem Gedanken auseinandersetzen, dass das Leben von Seraina bald zu Ende sein könnte!
Die Entscheidung Seraina von der Beatmungsmaschine zu trennen fiel uns unendlich schwer, denn wir waren uns bewusst was passieren könnte. Trotzdem waren wir überzeugt, dass es richtig war diesen Weg zu gehen. Schliesslich wollten wir Seraina die Möglichkeit geben zu entscheiden wie es weiter gehen sollte.
Und so war es dann auch: Seraina atmete am 10.01.2014, nachmittags, nach der Trennung von der Maschine selbständig weiter bis am Morgen des 11.01.2014. Sie schlief friedlich in den Armen ihrer Mutter ein, gerade eben als wir im Auto das Parkhaus des Spitals in Luzern verliessen. Wir sind überzeugt davon, dass Seraina auf diesen Moment gewartet hat…



DAS IST FÜR MICH DIE GRÖSSTE HERAUSFORDERUNG

Die grösste Herausforderung für mich ist auf Seraina verzichten zu müssen, nach Hause zu kommen und zu sehen, dass Seraina nicht da ist.
Akzeptieren zu müssen, dass das Leben ohne Seraina trotzdem weiter geht. Akzeptieren zu müssen, dass all die Träume im Zusammenhang mit Seraina niemals real werden und wie eine Seifenblase zerplatzt sind.
Akzeptieren zu müssen, dass meine unendliche Liebe zu Seraina nur in den Erinnerungen und in der Trauer zum Ausdruck gebracht werden kann.



SO HAT SICH MEINE WELT SEITHER VERÄNDERT

Mit der Erfahrung mit Seraina bin ich noch viel mehr davon überzeugt, dass es jedes Mal ein Wunder und ein Geschenk ist, wenn man ein gesundes Kind in den Armen halten und aufwachsen sehen darf.
Ich bin so unendlich dankbar dafür, dass wir das nun mit unserem zweiten Kind, unserem Sohn Gian, seit Mitte März dieses Jahres erleben dürfen. Er ist wahrlich ein Geschenk des Himmels und hat (oh wie schön!) einige Ähnlichkeiten zu Seraina.



SO ERLEBE ICH DEN TRAUERPROZESS UN DAS HILFT MIR DABEI MIT DER TRAUER UMZUGEHEN

Der Trauerprozess ist für mich ein Prozess, der nie abgeschlossen ist und die Trauer kommt und geht in wechselnden Abständen. Einerseits ist das sehr schwierig und es schmerzt immer wieder wenn die Trauer präsent ist, andererseits bleiben so die vielen Erinnerungen an Seraina deutlich und erhalten. Ohne die Rückkehr der Trauer würden die Erinnerungen mit der Zeit vielleicht verblassen.
Die vielen wunderbaren Erinnerungen an Seraina helfen mir zu akzeptieren, dass unser Leben ohne sie weitergehen muss. Seraina, mit ihrer Tapferkeit und Wärme, gibt mir die Kraft mit der Trauer positiv umzugehen, anstatt daran zu zerbrechen.



MEINE PARTNERIN UND ICH

Im Umgang mit der Trauer haben sowohl die Beziehung als auch das Umfeld (privat und beruflich) einen sehr grossen Einfluss auf die Trauernden. Meine Frau und ich gehen sehr unterschiedlich mit der Trauer um und akzeptieren das gegenseitig. Dies ist das Allerwichtigste aus meiner Sicht. Es gibt kein Richtig und kein Falsch beim Trauern. Jede/r trauert anders.
Das Berufsleben verlangt von uns, dass man kurz nach dem schmerzlichen Ereignis wieder an den Arbeitsplatz zurückkehrt und dort wieder die volle Leistung bringt. Dies lenkt zwar von der Trauer ab, verhindert aber, dass man sich mit der Trauer richtig auseinandersetzen kann.
So kann es passieren, dass der Mann beim Verarbeiten (oder Verdrängen?) der Trauer wesentlich schneller ist als die Frau, was problematisch sein kann, wenn man gegenseitig nicht genügend Toleranz für den Partner zeigt.
Wir haben schlussendlich einen Weg gefunden die Trauer miteinander zu verarbeiten und uns gegenseitig zu unterstützen und zu helfen. Als Beispiel kann ich hier die Vorbereitung der Beerdigung von Seraina erwähnen, wo wir zusammen die Trauerkarte und den Ablauf der Beerdigung mit den passenden Musikstücken ausgewählt haben.



DAS VERBINDET MICH AM MEISTEN MIT MEINEM STERNCHEN

Viele Fotos, ein spezielles Plätzchen in der Wohnung mit Gegenständen, welche Seraina gehören und die vielen schönen Erinnerungen an unsere Ausflüge verbinden mich mit Seraina. Daneben erinnere ich mich immer wieder gerne an unser gemeinsames Ritual, das Waschen des Gesichtes, welches sie (und ich) immer sehr genoss. Ich sehe heute noch ihre zufriedenen Augen und spüre ihre warmen, samtweichen Hände wenn wir uns berührt haben.



SO GESTALTE ICH HEUTE MEINEN ALLTAG

Meinen Alltag gestalte ich aktiv und möglichst viel draussen in der Natur. Wenn ich z.B. in die Berge gehe und einen Gipfel besteige, fühle ich mich Seraina immer ein wenig näher. Wenn ich in der Natur unterwegs bin, habe ich genügend Zeit meinen Gedanken freien Lauf zu lassen und Erinnerungen an Seraina aufleben zu lassen.



DAS HABE ICH DURCH MEIN STERNCHEN GELERNT

Seraina hat mich gelehrt hoffnungsvoll, mutig und tapfer zu sein und das Leben zu schätzen und zu akzeptieren wie es ist. Sie hat mir die Furcht vor dem Tod genommen und gibt mir Kraft in allen möglichen Lebenssituationen. Seraina ist und bleibt ein Teil von meinem Leben, daran ändert auch der Tod nichts.



DAS MÖCHTE ICH ANDEREN STERNEN MAMIS & PAPIS GERNE SAGEN

Stellvertretend für die Sonne nehme ich unser Sternchen Seraina und ich stelle mir vor wie sie vielleicht irgendwo im Himmel oder auf einem Berggipfel sitzt und von dort auf uns (in Frieden) herabschaut. Mit Seraina im Blick, werden alle anderen Sorgen und Problemchen für den Moment unwichtig